Freitag, 6. Januar 2011
Freiburg, Dreikönigsmilonga am frühen Abend im Aya. Trotz Feiertag scheint es hier keinen Dreikönigskuchen zu geben. Schlimm. Dafür ziemlichen Männermangel, und das wirkt irgendwie belebend auf die Cabeceos. Leider einige Zwangspausen wegen der Musik, definitiv anstrengender ist allerdings die miserable Soundqualität.
Dann wird eine Tanguera sogar noch todesmutig: Seit etwa eineinhalb Jahren "schuldet" sie mir eine Milonga, und heute lassen wir es endlich krachen. Kurz vor neun dann die Cumparsita im Dreivierteltakt(!). Noch weiter ins Corazon? Nein, ich bin zu müde (und eh glücklich), ausserdem ist das Spätangebot der Deutschen Bahn an Feiertagen arg eingeschränkt...
Sonntag, 8. Januar 2011
Nachmittagsmilonga im Pulverturm in Zug mit DJ Yves aus Basel. Das Schwarzpulver lagert hier zwar schon lange nicht mehr, aber direkt am Rande der Tanzfläche im zweiten Stock hängen Schwert und Degen griffbereit. Nur für den Notfall, versteht sich, falls etwa der DJ oder ein Rempler sich besonders unanständig verhalten sollte.
Zum Zustechen wäre es allerdings eh etwas düster, und mit zunehmenden konzertanten, Dudel- und Standardtangos ziehen auch einige Wolken am musikalischen Horizont auf. Dazu kommt der zweifelhafte Brüllwürfel, der die dünn instrumentierten modernen Orchester noch dünner klingen lässt. Das ist schade, weil die runden Wände eigentlich akustisch ganz brauchbar wären. Dafür exzellente Kuchenversorgung. Irgendwann gelingen sogar zwei Cabeceos auf etwa zwei Meter Entfernung. Für die Innerschweiz ist das viel.
Rätsel um Blutspuren in der Herrentoilette, philosophische Diskussionen um kreisrunde Tanzflächen und tiiief versenkbare Sitze. So ein Pulverturm ist mysteriös.
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Kommentar von Tüpflischiisser
Willkommen im Jahr 2012:-)
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Antwort von Patrick
Aaargh! Jetzt, wo ich mich ans 2011 gewöhnt habe. Vielleicht habe ich gehofft, den Maya-Weltuntergang noch ein wenig hinauszuzögern...
Mittwoch, 11. Januar 2012
Wir alle lieben die Urheberrechtsgesellschaften. Ob Suisa oder Gema, das Inkasso sorgt vor allem bei Veranstaltern von Winzmilongas stets für Freude. Schliesslich landet das Geld ja da, wo es landen sollte. Heute hat Alessandro von der Suisa nachgedoppelt. Alessandro macht bei der Suisa die Berufsmaturität und nutzt den Kundenkreis für eine Internetumfrage zu "Methoden der Rechnungsstellung". Ich war gespannt. Tatsächlich tauchen dann aber zuerst Fragen auf, ob man etwa von der Wirtschaftskrise oder dem drohenden Klimawandel am meisten beunruhigt sei. Und ob man die Raumtemperatur runterschraubt und weniger auf Papier druckt. Immerhin darf man dann noch sagen, ob der Suisa-Kundendienst seine Arbeit gut macht.
Ich weiss, der Vergleich hinkt ein wenig. Aber man stelle sich mal vor, irgendwo in Kalabrien würde man als Restaurantbesitzer kurz vor der monatlichen Fälligkeit des Schutzgeldes von einem jungen Kerl besucht, der sich als Neffe von Onkel Leo vorstellt und fragt, ob man die Einführung von bleifreien Kugeln in den Revolvern befürworte. Gesund sterben ist schliesslich in, und die Umweltbelastung kann so auch deutlich verringert werden. Einbetonierte Gebeine auf dem Meeresgrund sind ja Greenpeace schon lange ein Dorn im Auge.
Warum der Sarkasmus? Nun, die Suisa fordert tatsächlich groben Unsinn wie etwa gerichtlich abgesegnete IP-Adressjägerei nach Deutschem Vorbild oder Internetsperren nach dreimaligem Download wie in Frankreich. Vielleicht liegt das an mir, bei Begriffen wie "Methoden der Rechnungsstellung" kann ich in diesem Zusammenhang nur noch hilflos kichern. Aber zitieren wir mal aus dem Parlament vom Sommer 2010:
Wenn Sie sich um die Künstlerinnen und Künstler kümmern wollen, dann sorgen Sie dafür, dass dieses Geld nicht in den Verwertungsgesellschaften bleibt. Das muss das Ziel sein. (Simonetta Sommaruga, damals noch SP-Ständerätin)
Laut dem Branchenverband IFPI sind die Einnahmen aus der Online-Verwertung von Musik in den letzten sechs Jahren von 20 Millionen Dollar auf 4,2 Milliarden Dollar angestiegen und machen nun 27 Prozent der Einnahmen aus. Irgendwo liegt ja dieses Geld dann, und eigentlich sollte es bei den Urhebern liegen und nicht bei den Verwertungsgesellschaften. (Eveline Widmer-Schlumpf, Bundesrätin)
Alles klar? Die Urheberrechtsgesellschaften investieren in den Klimawandel sowie in Online-Abzockmodelle, und wir finanzieren das mit unseren Milongabesuchen kräftig mit. Ist Tango nicht schön?
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Kommentar von Joachim
Danke für die wahrhaft aufrüttelnde Info. Eigentlich wollte ich ja zum Vollmondtango, aber angesichts der verbrecherischen Suisa bleibt mir nichts andres übrig, als zuhause sitzen zu bleiben, Schweizer Winzmilongas wie auch das Osterfestival nun völlig zu boykottieren und ins benachbarte Ausland auszuweichen, wo die GEMA den Veranstaltern den roten Teppich ausrollt, Fragebögen mit Vanillegeschmack und Gratis-Gutscheinen für iTunes, Amazon und wie das Linux-Pendant auch immer heissen mag, verteilt und ansonsten auch kein GEMA Angestellter mehr als 2 Mercedes als Dienstwagen beantragen darf.
Ha! Da wird ihnen die bleifreie Kugel auf der Zunge liegen bleiben, so. Jawohl.
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Kommentar von Tangonegro
Schöner Text Joachim. Aber leider versteh ich vor lauter Sarkasmus und Ironie nicht viel davon!
Samstag, 14. Januar 2012
Freiburg, El Sur. Zu Beginn drehen wir Männer mal wieder ein wenig Däumchen, später dreht es in einen veritablen Männermangel. Ja, viele ausgerollte Teppiche. Schöne Tänze, wobei ich heute irgendwie müde und unkonzentriert bin. Jedenfalls stolpere und remple ich gewaltig in der Gegend herum.
Das gibt mir immerhin Raum für neue Erkenntnisse: Der DJ in der Neo-Lounge beispielsweise hält satte drei Stühle für die DJ-Groupies bereit. Ha! Ich wusste, damals(tm) bei meiner Milonga hatte ich einen Fehler gemacht.
Ach ja, und von einer Asiatin habe ich erfahren, dass zwischen Deutschen und Schweizern eigentlich kaum Unterschiede bestünden. Wahnsinn. Wo doch jeder weiss, dass Deutsche einen Topf nicht von einer Pfanne unterscheiden können.
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Kommentar von swing
Seh ich auch wie die Asiatin.Nun gut:die Freiburger sind evtl. beim cabeceo etwas (auch nur etwas) munterer als die Basler.Dafür sind die Schweizer oft wirklich einen Schlag perfekter.Kann man bei den Preisen aber auch erwarten!Gruß/Grüetzi.
Samstag, 21. Januar 2012
Nach langer Zeit mal wieder zu Che Tango. Übersichtliche Runde, kombiniert mit deutlichem Männermangel. Schöne Tänze, kaum Zeit für den Kuchen. Allerdings einige Zwangspausen, weil ich mit dem Musikmix nicht ganz so warm werde. Gut, kein Kind der 80er-Jahre verschmäht Cindy Lauper.
In dem Zusammenhang sind mir aber viele Tanzpartnerinnen ein Rätsel. Manche Frauen reagieren irritiert, wenn im letzten Lied der Tanda ein anderer Sänger das Zepter übernimmt. Andere Frauen sind irritiert, wenn man andeutet, dass man zu diesem Lied grad nichts sinnvolles tanzen könne. Wohl dem Manne, der dann die Rolle wechseln kann...
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Kommentar von Joachim
Vom Tanzen zum Singen? ich weiss ja nicht...
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Antwort von Patrick
Das sei ferne. Das Treuefenster(tm) so mancher Tanguera vergrössert sich erheblich, wenn man nicht singt. Zumindest dann, wenn man nicht Alberto Castillo ist.
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Kommentar von Joachim
Der war ja auch Gynäkologe. Bevor er Sänger wurde. Die Kombination ist natürlich, hmm, nicht unpraktisch. Siehe auch Wikipedia.
"Castillo war auch ausgebildeter Arzt. Diese Tatsache überzeugte die Eltern seiner Verlobten, ihre Tochter Castillo heiraten zu lassen (nur ein „Tangosänger“ zu sein, wäre nicht genug gewesen). In dem Film „Luna de Avellaneda“ wird auf seine Ausbildung angespielt, als Castillo nach einem Auftritt beim Karneval als Geburtshelfer einspringt."
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Kommentar von Ratatouille
Der Hut des DJs bürgt doch für Authentizität. So wird Cindy Lauper fast mühelos zur kleinen Schwester von Castillo. Castillo kann sich nicht dagegen wehren. Nur muss das der Tanguero auch merken.
Du weisst ja, es ist in der Schweiz gefährlich die Autorität eines Hutes nicht anzuerkennen.
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Antwort von Patrick
Mein Hut der hat drei Ecken. Das unterscheidet ihn zumindest geometrisch von einer richtigen Tanzfläche. Für die Personifizierung des Bösen braucht der moderne Tanguero ja den Gessler eh nicht mehr. Dafür gibt es doch Otros Aires und Co.
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Kommentar von Namenlos
Die Frage ist hier: Wo war der Hut des DJs wenn nicht auf seinem Kopf. Joachim, der Sturm, meine ich, kann ihn nicht weggeblasen haben, denn der hat sich schon längstens in den tangomässig uninteressanten Steppen im Osten totgelaufen. Vielleicht hing er auf der Garderobestange oder zum Aufdicken des Sounds auf der Lautsprechersäule. Jedenfalls ist der Autoritätsverlust des DJs ohne Hut offensichtlich, sonst würde man sich hier nicht über Cindy Lauper lustig machen.
Freitag, 3. Februar 2012
Frankfurt, Brotfabrik. Heute 6-Jahre-Jubiläum. Die Verlosung ist unterhaltsam, da sich die Veranstalterin und die Lotto-Fee nicht darauf einigen können, ob der Hauptpreis nur für ein bestimmtes Konzert oder irgendein Konzert in der Brotfabrik gilt. Ich stelle mir im Geiste vor, wie jemand zu Otros Aires will, dann aber zu einem Howard Carpendale-Konzertbesuch gezwungen wird. Preise sind tückisch.
Viele schöne Tänze. Meinen wertvollen Jeton für den Begrüssungssekt hingegen versuche ich den ganzen Abend über vergeblich loszuwerden. Dafür wird meine Aufmerksamkeit auf ein ziemlich enges...äh...Kleid gelenkt, unter dem sich ausserordentlich deutlich etwas abzeichnet, was man gemeinhin wohl "String" nennt. Zwei Damen neben mir haben sich minutenlang gegenseitig ihrer tiefsten Empörung versichert. Man muss das pragmatisch sehen: Ein Schild mit der Aufschrift "Ich tanze nur mit Gurus" wäre deutlich unpraktischer...
Samstag, 4. Februar 2012
Destino, Frankfurt. Auf dem Weg zur Milonga kreuze ich die Occupy-Bewegung vor der EZB und muss zugeben, schon der Anblick der Zelte lässt mich zusätzlich frieren. Am Rande des Mains treiben sogar winzige Eisschollen vor sich hin. In der Milonga brauche ich dann erstmal zwei Tandas, um überhaupt körperlich aufzutauen. Im warmen Sommer wird man vielleich träge, aber im kalten Winter werde ich richtig steif. Ich brauche eine Winterresidenz in Buenos Aires...
Irgendwann ist der Eisblock dann glücklicherweise geschmolzen, und so konnte ich genüsslich in den Umarmungen und der Musik versinken. Dazu gab es dann noch topaktuelle Milonga-Tipps für Paris sowie wiederum keine Möglichkeit, meinen wertvollen Brotfabrik-Jeton vom Vorabend loszuwerden. Ich legte ihn auf eine winzige Schokolade, um mir diese zu sichern, doch nach der Cumparsita war die Schokolade weg, der Jeton lag noch da. Vielleicht hätte ich mir das Lied "dame la lata" wünschen sollen.
Freitag, 10. Februar 2012
Freiburg, Vauban. Milonga 037. Also 42 minus 5 (kleiner Insiderscherz). Ein kühler Raum, eine noch kühlere Toilette mit eiskaltem Wasser. Immerhin, nach einigen Tänzen taue ich auf. Leider erwische ich auch eine Tänzerin mit einem kräftigen rechten Arm, und schon nach einer Tanda sind die Muskeln in meiner linken Schultergegend restlos erschöpft.
Ab diesem Punkt tut die Schulter nur noch weh, und auch die sanfteste Haltung einer vorsichtigen Tanguera trägt zur Entspannung nicht mehr viel bei. Ich gebe auf, zumal die Lautstärke wie auch die Klangqualität eh schon im unangenehmen Bereich sind und kurz nach Mitternacht die meisten Leute nach Hause gegangen sind. Armhaltung ist eine Wissenschaft. Ich hab mich schon oft gewundert, wieviele Männer die rechte Hand der Frau in einer Art WC-Ente-Haltung fixieren. Jetzt weiss ich es endlich...
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Kommentar von Joachim
Wenige Fragen an den Chronisten: In welchem WC hast Du schon mal Enten gesehen, welcher Art auch immer? Ich kenne nur diese gelben Gummiteile mit feschem orangenen Schnabel, die quietschen, wenn man sie mangels Cabeceo-Erfahrung an Tangueraköpfe wirft.
Aber die "ich trag hier jetzt mal den Scheuerlappen weg" Handhaltung macht ästhetisch auch nur minimal mehr Pluspunkte. Wenn überhaupt. Dagegen das optimistische "Dominatorthumb-up!" Handbild, da wüsste man, vielleicht auch frau, wo mann glaubt, dass es lang geht mit dem Guru. Solltest Du mal testen.
Nicht verwechseln mit "häng die Hand an den Daumen, darling". Der Dominatorthumb zeigt auf direktem Weg zu Sonne im Zenit (quasi Deckenleuchter), aber der Zeigefinger darf dabei auf Dein Götterantlitz weisen.
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Kommentar von Mikamou
Dass die Milonga 037 nur fünf Schritte von der ultimativen (Tango-)Antwort entfernt ist wundert mich jetzt aber. Bist du denn der ultimativen Frage schon auf der Spur? Die Frage nach der Handhaltung, die Joachim ja teilweise beantwortet hat, kann es ja nicht sein.
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Kommentar von Peter Fangmeier
Hallo Patrick, kämfpst du noch ... oder tanzt du schon ? (frei nach einem möbelhaus...)
die ursache deiner schulterprobleme ist deine armhaltung. wenn du deinen tanzpartnerinnen den arm ins schultergelenk drückst spürt sie das... und um den schmerz zu veringern drückt sie dagegen, jetzt hast du das problem. viele tänzer kontern dann mit dem hinweis das die partnerin drücken würde, allerdings ist das ja in diesem fall nur selbstverteidigung. besser wäre ist den linken arm einfach zu senken und in zukunft darauf zu achten das schultergelenk deiner tanzpartnerinnen nicht zu überstrecken. den betroffenen tänzerinnen rate ich folgendes:
nicht dagegen zu drücken (was aus verschiedenen gründen sinnlos ist,) sondern einfach den arm kraftlos fallen zu lassen. ich hab früher auch so getanzt, aber eine partnerin im kurs hat sich darüber beschwert und wir haben dann mit dem lehrer die ursache (mein armdrücken) gefunden. allderdings hat es seine zeit gedauert die armhaltung umzustellen. wir können ja darüber reden wenn du wieder mal im rhein-main gebiet bist
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Kommentar von ichwardabei
Für die Erweiterung von Joachim´s Wissenshorizont (Wikipedia) sogar mit Bild ;-)und die Firma kommt sogar aus der Schweiz!
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Kommentar von Joachim
Aaaaah, Danke, "ichwardabei". Migros hat die, glaube ich, nicht. Jedenfalls sind die Flaschenversionen, die mir bekannt sind, nur mit schrägem Ausguss, ohne den verspielten Hals.
"Ich hab mich schon oft gewundert, wieviele Männer die rechte Hand der Frau in einer Art WC-Ente-Haltung fixieren." Zum fixieren sind Gipsbinden eigentlich auch noch praktisch. Auch später zum Begrüssungssekt halten.
Sonntag, 26. Februar 2012
Wenn Cassiel drei Jahre alt wird, dann will man natürlich gratulieren. Bloss, seine Geburtstagsrede kann ich so nicht stehen lassen. Aus technischen Gründen kann ich bei Blogger.com seit geraumer Zeit nicht mehr kommentieren, somit mache ich das eben hier zum Thema. Ein kleiner Ausschnitt aus dem oben verlinkten Artikel:
In der öffentlichen Diskussion um unseren Noch-Bundespräsidenten zitierte einmal eine Journalistin in einem Artikel den Philosophen Robert Spaemann. Er prägte den Begriff der radikal relativistischen Gesellschaft und ich denke, dieser Begriff ist auch im Tango-Kontext betrachtenswert.
[...]
Mit dem Begriff der radikal relativistischen Gesellschaft umschreibt er den Umstand, daß breite Schichten unserer Gesellschaft sich heute kaum noch trauen, subjektive Wahrheiten zu benennen. Schreibt man beispielsweise heutzutage über den eigenen Tango-Begriff und definiert diesen deutlich traditionell, dann ist das im sozialen Nahfeld inzwischen ungefähr genauso beliebt wie ein fetter Pickel.
Nun, ich bin ja auch gerne ganz vorne dabei, wenn es darum geht, über irgendwelchen Unsinn zu lästern. Aber Robert Spaemann zu zitieren um das Lästern über Akrobatik-Tangos zu legitimieren, hui, da wird mir jetzt richtig schlecht. Dieses Interview hier von Spaemann ist keine Jugendsünde, sondern knapp ein Jahr alt. Da wartet ein Kulturpessimist auf den Antichristen. Übernimmt im Tango also bald Otros Aires? Ich bin ja mit meinen Referenzen auch nicht immer ganz wählerisch, aber muss es wirklich ein Typ aus dem vatikanischen Dschungelcamp sein?
Musik-Diskussionen betreffen übrigens nicht nur Nontangos. Auch beim Salsa streitet man sich leidenschaftlich, ob die ganzen mit einer Clave unterlegten Discolieder noch reinpassen. Und ob Zumba dazugehört. Abgesehen davon: Sind Ego-Booster nur bei Neo-Akrobaten zu finden? Ich sehe grad nicht, was an einer geschlossenen Umarmung weniger Ego-zentriert sein soll. Und man kann auch im Milonguero-Stil rücksichtslos tanzen.
Natürlich wird mit dem Fundi-Begriff viel Unsinn getrieben. Ich selbst war zehn lange Jahre in der christlichen Fundi-Szene zuhause, und ich habe für diesen Fehler einen hohen Preis bezahlt. Der Ausstieg ist nun knapp 14 Jahre her, und ich bin mir ziemlich sicher, denselben Fehler nicht erneut zu begehen. Deshalb mag ich beim Tango weder die fromme noch die unfromme Version der Zeugen Jehovas. Spaemann hat hier ganz bestimmt nichts verloren.
Spaemann predigt, man solle darauf vertrauen, dass im muffigen, dunklen Keller irgendwo die schwarze Katze hockt, denn alles andere gehe sowieso vor die Hunde. Das ist ein genauso billiger Taschenspielertrick wie der von Cassiel im Beitrag verwendete mit dem Relativismus. Auch der Agnostiker in mir hat kein Gerät, um das Nichtvorhandensein einer Katze zu beweisen. Aber was soll die Suche, wenn draussen das Leben lockt?
Als Alternative zu Spaemann möchte ich Umberto Eco anführen, ich mag seine Ode an den Schabernack. Nachzulesen im Finale von "Der Name der Rose". Da hilft dann das Lächeln vielleicht darüber hinweg, dass man den Betonpfeiler der Allgemeingültigkeit nicht besitzt. La petite Mort taugt jedenfalls bestimmt nicht als Tangovals. Woher ich das weiss? Ich habs ausprobiert.
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Kommentar von Mikamou
Ich danke dir für diesen Beitrag, der, für mich positiv, mit den grösstenteils einhelligen Kommentaren kontrastiert.
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Kommentar von Cassiel
Wunderbar! Da gibt es ja wieder den Begriff des "Fundamentalismus". Niemand wird ernsthaft auf die Idee kommen zu behaupten, ein Klavier würde mit einem Bogen gespielt (oder eine Violine hätte Tasten) - nur bei abstrakteren Begriffen tun wir uns schwer über Wahrheiten (seien sie nun subjektiv oder objektiv) zu debattieren oder einfach nur zu reden. Wir verwässern Begriffe, bis nichts mehr vom Kern übrig bleibt. Ich will das meinen Mitmenschen nicht nehmen - ich mag mich nur nicht mehr an solchen Diskussionen beteiligen.
Deine Erfahrungen in einem christlich fundamentalen Umfeld mögen prägend gewesen sein, daraus nun eine totale Relativierung abzuleiten halte ich für gewagt.
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Kommentar von Ratatouille
....Aber was soll die Suche, wenn draussen das Leben lockt?....
ein schöner und wichtiger Text, den du hier geschrieben hast. Leider werden die meisten Leute nicht verstehen um was es hier geht. Jedenfalls die, die bei Cassiel nicht mitlesen.
Schon dein Beitrag über dein Tangoleben als Grenzgänger haben mich aufhorchen lassen und machen Lust auf mehr tiefergreifende Gedanken von dir. Es muss ja nicht jeder Beitrag in die Sphäre des höheren Blödsinns, des Sarkasmus oder Zynismus abdriften. Wobei ich auch das mag.
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Antwort von Patrick
Cassiel, meine Erfahrungen bei den Fundis führen nicht zu Relativierungen, sie haben meinen Bullshit-Detektor perfektioniert. Wahrheiten mögen subjektiv oder objektiv sein, das Problem mit ihnen ist, dass sie meistens völlig willkürlich ausgewählt worden sind. Du willst den Tango der 1940er Jahre verteidigen? Fein! Möglicherweise gab es damals Leute, die diese Kommerzialisierung hassten und betonten, den wahren Tango habe man 1905 getanzt. Obwohl...waren die Ursprünge nicht 1890? Was ist denn nun "traditioneller Tango"?
Verteidige ruhig Deine Überzeugungen (das tue ich ja auch), aber es wird einfach lächerlich, wenn Du dabei mit Rosinante unter dem Hintern päpstlichen Begleitschutz verlangst. Der Glaube ist frei, nur ist dummerweise jede Sollbruchstelle zwischen Glauben und Aberglauben ebenfalls völlig willkürlich gewählt. Genau dieser letzte Punkt wird von Fundamentalisten beharrlich geleugnet, und Du musst selbst wissen, ob Du Dir diesen Schuh anziehen willst.
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Kommentar von Cassiel
Aha! Daher weht also der Wind. Es geht um das Zitat. OK! Beim nächsten Mal bemühe ich dann Marx oder Lenin und das übernächste Mal gibt es Aleister Crowley (für die Freunde der Esoterik). Bekommst Du dann auch allergische Reaktionen?
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Antwort von Patrick
Cassiel, lies doch Deinen Beitrag mal mit etwas Distanz. Du fabulierst ewig über den Relativismus und seinen angeblichen Widerspruch, ohne wenigstens in einem Nebensatz fairerweise zu erwähnen, dass der Relativismus eben keinen Absolutheitsanspruch hat. So konstruiert man perfekte Feindbilder.
Dann wirfst Du Mobbingvorwürfe in den Raum. Als anonymer Blogger mit einer engelhaften Kunstfigur, wohlbemerkt. Die Imageträger "achtsam" und "zurückhaltend" umflügeln Dich, niemand kann die Diskrepanz zwischen Deinem Schreiben und Leben kontrollieren, Deine Kernsupporter billigen Dir blind jegliche moralische Autorität zu -- boah, und plötzlich wirst Du gemobbt. Wie soll das denn gehen?
Frustige Momente kennt wohl jeder. Nur hilft gegen Tangofrust auch der Chef-Theologe der Hamas nicht weiter, und weitere Abgrenzungen machen vermutlich auch nicht wirklich froh. Mit Kampfreden und Durchhalteparolen wirst Du bestimmt weiterhin Applaus ernten, aber ich habe den Eindruck, in Deinen Postings zur Musik hast Du Dich deutlich wohler gefühlt und wohl auch mehr bewegt. Wenn Dir das aus Deinem Umfeld niemand sagt, wäre es vielleicht an der Zeit, das Umfeld zu wechseln.
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Kommentar von Cassiel
Hallo Patrick, vielleicht lassen wir es an dieser Stelle einfach so stehen. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man sich an einem Zitat derartig aufarbeiten kann - möglicherweise muss ich das auch nicht verstehen. Deine weiteren Ausführungen zu meiner Person als Blogger und meinen Lesern (die bei Dir plötzlich zu "Kernsupportern" mutieren) lesen sich schon ein wenig abenteuerlich. U.U. ist es besser, Du liest tatsächlich zukünftig nur noch meine Beiträge zur Musik. Das erspart Dir Betablocker gg. zu hohen Blutdruck. :-)
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Kommentar von Vorbeischauer
Danke Patrick, du triffst den Nagel gut auf den Kopf!
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Antwort von Patrick
Cassiel, mein Blutdruck ist derart tief, dass Du darauf möglicherweise neidisch sein könntest. Aber lassen wir die Nebelkerzen, offenbar prallt jegliche inhaltliche Kritik an Deinem Text an Dir einfach ab. Das ist schade, mancher Leser hätte vielleicht auch gerne gewusst, was denn überhaupt der Anlass für den Relativismus- und Mobbing-Sermon war. Sollte 2012 der Weltuntergang stattfinden, dann werden wir wohl dumm sterben...
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Kommentar von B. G.
Hey Patrick, was willst Du eigentlich? Kann es sein, dass Du ein wichtiges Stichwort selbst geliefert hast? Neid? Bist Du wirklich neidisch? Anders kann ich mir Deine verbalen Ausfälle nicht erklären und dieser latent aggressive Unterton Deines Schreibstils erschwert die Lektüre Deines Blogs. Gefällst Du Dir in der Rolle des wadenbeißenden Terriers?
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Kommentar von Cassiel
@B. G.: Es ist vermutlich nicht hilfreich, Patrick seinen Schreibstil vorzuhalten. Er hat eine andere Meinung und seine eigene Art, diese zu äußern. Ich denke, das sollte man respektieren (auch als Fundi :-) ) Nur meine zwei Cent...
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Kommentar von annarosa
Ich kenne Cassiel nicht und lese normalerweise auch seinen Blog nicht, aber in diesem Fall muss ich sagen hat sich Patrick berechtigterweise in den Diskurs eingemischt und versucht gewisse Aussagen zu relativieren. Ich finde es auch hoechst bedenklich, dass man einen Theologen des Vatikans herbeizieht, um die eigenen Theorien und Hypothesen bezueglich des Tangos zu untermauern. Da Patrick selbst mal mit der christlichen Fundiszene verwickelt war und sich davon distanziert hat, macht seine Kritik besonders aussagekraeftig. Uebrigens kann bei ihm auch nicht von zu hohem Blutdruck die Rede sein, ich sehe ihn als ein sehr gelassener Mensch.
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Antwort von Patrick
B. G., neidisch bin ich manchmal auf die Leute so um die Mitte zwanzig, die bereits in diesem Alter den Tango, die Welt und die Liebe entdecken und diese aufregenden Jahre nicht mit muffiger Ideologie vertrödeln. So etwa im Sinne der "I envy you"-Szene ganz am Ende von First Contact. Erklärst Du mir noch, wo ich hier konkret ausfällig geworden sein soll?
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Kommentar von Ratatouille
Dem kann ich nur beipflichten und möchte "diese aufregenden Jahre nicht mit muffiger Ideologie vertrödeln" noch doppelt unterstreichen. Als etwas älteres Semester weiss ich, dass nichts mehr wirklich nachgeholt werden kann was verpasst ist.
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Kommentar von valsyvals
Relativismus hin und her-ist mir egal.Jedenfalls bin ich Cassiel äußerst dankbar für seine Werbung für den Tango.Und stimme auch seiner Kernaussage zu:Irgendwo muß man Flagge zeigen,sonst landet man auch beim Tango in der verwässerten TangoDiscoAllerweltsBeliebigkeit.Naja-eigentlich hast Du, Patrick,das im Prinzip bisher auch immer vertreten.War wohl ein wichtiges Päckchen, das da bei Dir getroffen wurde.Verstehe ich auch gut!
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Antwort von Patrick
valsyvals, ich habe das mit meiner Fundi-Vergangenheit bewusst geschrieben, damit die Leser meine Gedanken besser einordnen können. Dass jemand das Thema folglich einfach als Empfindlichkeit meinerseits abtun kann gehört halt zum Spiel. Ja, ich liebe die geschlossene Umarmung. Aber nicht, weil es sich gehört, sondern weil mich solche Tänze glücklich machen. Und weil ich Tangueras kenne, die das ebenfalls glücklich macht. Ich weiss nicht, ob diese Gefühle auf eine Flagge passen.
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Kommentar von annarosa
Die Vatikanische Flagge ist echt nicht geeignet, um mit dem Begriff "Tango" beschriftet zu werden. Patrick, mach weiter so mit deinem beharrlichen und leidenschaftlichen Engagement für den fundamentalismusfreien Tango.
@valsyvals: Ich finde es ein schwaches Argument, dass schlechte Werbung auch akzeptabel und recht ist, solange sie für eine gute Sache ist, in diesem Fall für den Tango. Wir sollten alle an unserem "Bullshit-Detektor" arbeiten und ihn perfektioneren, wie Patrick es, aus welchen Gründen auch immer, gemacht hat.
Dienstag, 13. März 2012
Die Nachwehen einer Erkältung dünnen derzeit meine Milonga-Gänge kräftig aus, also komme ich endlich mal dazu, hier eine hochinteressante Studie zu präsentieren: "Women, Men and the Bedroom: Methodological and conceptual insights that narrow, reframe, and eliminate gender differences in sexuality". (Die Studie gibts nur mit Uni-Account im Volltext Online).
Worum geht es? Wir kennen doch all die Geschlechts-typischen Merkmale aus eigenem Erleben: Frauen können nicht einparken, Männer hören nicht zu, Tangueras sind wählerisch, Tangueros hingegen wahllos. Dummerweise behauptet die genannte Studie, dass all diese Unterschiede und auch die wissenschaftlich belegten Thesen sich in Luft auflösen, wenn man die genauen Umstände anschaut.
Nehmen wir die These, wonach Frauen bei der Partnerwahl generell wählerischer seien als Männer (der Zusammenhang mit Tango dürfte offensichtlich sein). Beispiel Speed-Dating: Zehn Frauen sitzen an zehn Tischen, zehn Männer wechseln nach kurzer Zeit jeweils einen Tisch weiter, stellen sich vor, dann wird geplaudert. Hinterher machen alle auf einem Zettel ein Kreuz, wen sie wieder sehen möchten. Frauen machen hier durchs Band weniger Kreuzchen als die Männer. Nur: Lässt man anstelle der Männer die Frauen durchwechseln und sich jeweils vorstellen, dann wechseln auch die Rollen: "When women approached men, women behaved more like men (becoming less choosy), and men behaved more like women (becoming more choosy). Thus, this research suggests that 'choosiness' may be an artifact of gendered social norms concerning who approaches whom."
Man kann jetzt trefflich darüber streiten, ob das Wählerische nun eine Folge der Passivität oder der (vermeintlichen) Wahlfreiheit ist. Sicher ist nur, dass hier mal wieder ein Filmzitat aus Matrix Reloaded perfekt passt: "As you adequately put, the problem is choice."
Die Quintessenz der Studie: "Are woman choosier than men? Yes, but potentially only because they are approached more often than men are". In diesem Sinne: Viel Vergnügen beim Auffordern!
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Kommentar von Angela
Ich glaube eher: gute Tänzer sind wählerisch, ob männlich oder weiblich. Finde ich auch gut und sinnvoll. Anfänger lernen, wenn sie viel tanzen (und nicht wählerisch sind). Gute Tänzer geniessen es, gut zu tanzen, und das ist nicht mit allen möglich. Karitative Tänze, nach dem Motto - wir haben alle irgendwann angefangen - sind natürlich auch etwas Schönes - nur nicht zu oft.
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Kommentar von TwoToTango
Chouette!
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Antwort von Patrick
Angela, "gut" kann in diesem Zusammenhang natürlich nur eine Selbsteinschätzung sein, aber ich bin bei dieser These eher skeptisch. Dazu passt die in der Studie ebenfalls aufgeworfene Frage, ob Frauen bei spontanen, flüchtigen Sexbekanntschaften tatsächlich so anders ticken als Männer. Übliche Studien gehen von riesigen Unterschieden (70 Prozent der Männer liessen sich auf spontanen Sex ein, bei den Frauen null Prozent) aus. Die Studie kommt zum Schluss, dass Frauen den Männern oft unterstellen, sie seien schlechte Liebhaber. Dazu kommt eine gewaltige Angst vor gesellschaftlicher Ächtung. Blendet man diese beiden Faktoren aus, verschwinden die Geschlechterunterschiede.
Auf Tango übersetzt: Möglicherweise ist bei Frauen die Angst relativ gross einen schlechten Tänzer zu erwischen und dann auch die Folgen für das eigene Image tragen zu müssen. Wobei ich zugeben muss, ich habe auch schon Männer kennengelernt, die in dieser Hinsicht beinahe schon paranoid waren. Meiner Meinung nach ist die Grenze dann überschritten, wenn man aus Prinzip nur noch mit Leuten tanzt, die man schon tanzen gesehen hat. Anspruch oder doch nur Angst? Hm, und sind Tänze karitativ, wenn sie schön sind?
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Kommentar von Anonym
Wie kann man Faktoren ausblenden, wenn die Basis Null ist? Und wie weiss man, ob diese Begründungen ehrlich sind?
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Antwort von Patrick
Das mit 70 zu Null war genau eine Studie von Clark and Hatfield anno 1989. Im Jahr 2001 brachte Terri Conley diese riesigen Differenzen weg, in der hiesigen Meta-Studie sind leider keine Details dazu genannt.
Zur Ehrlichkeit: Die Studie untersuchte auch, ob es bei der Anzahl bisheriger Sexpartner Geschlechterunterschiede gibt. Dazu schlossen sie die Probanden an einen "Lügendetektor" an und fragten nach der jeweiligen "sexual history". Die Maschine war natürlich ein reiner Fake, sie protokollierte nicht mal den Hautwiderstand. In den Antworten lösten sich die Geschlechterunterschiede in Luft auf, ohne die Maschine hingegen scheinen normalerweise Frauen die Zahl kräftig abzurunden und Männer grosszügig aufzurunden.
Insofern: Frauen setzen sich gern selbst unter gesellschaftlichen Druck. Männer machen es umgekehrt.
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Kommentar von TwoToTango
Nun ja, Frauen setzen sich nicht unbedingt selbst unter diesen Druck. Ich vermute, wir alle haben schon mal gehört, wie über eine Frau geredet wird, die sich ihre (sexuelle) Freiheit genommen hat und wie über einen Mann. (Notabene von Frauen und Männern...) Jede Frau wird sich danach gut überlegen, ob und wie öffentlich sie sich also solche Freiheit nimmt.
Im Tango sind die Folgen der Offenheit (gegenüber unbekannten oder "weniger guten" Tänzern) weit weniger gravierend und die Gleichgültigkeit gegenüber solchen tatsächlichen oder nur angenommenen "Imageschäden" fällt daher leichter.
Samstag, 17. März 2012
Freiburg, El Sur. Aus den Boxen entwich bislang noch nie göttlich-audiophiler Wohlklang, aber heute tröpfeln die Mitten richtig dünn. Orchesterbestimmung praktisch unmöglich. Nun, ich bin auch ausser Übung, fast einen Monat lang nicht richtig fit sein hilft beim Tangotanzen keineswegs. Lasse mich in einer Umarmung trösten. Zumal gegen Ende des Abends auch die Musikauswahl deutlich angenehmer wird.
Kleine Experimente in offener Haltung. Huch, so muss sich der Navigator von Schettino wohl auch gefühlt haben. Immerhin vermeide ich eine Havarie. Aber ich fühle mich in der geschlossenen Umarmung deutlich wohler...
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Kommentar von CaptnDirk
Hallo Patrik, ich empfand den Sound am Samstag nicht schlimmer als an anderen Orten... Hingegen war Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausserhalb jeglicher Richterskala!
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Antwort von Patrick
Ja, sobald draussen keine sibirischen Verhältnisse mehr herrschen wandelt sich die Milonga zur Dampfsauna. Mit klebrigem Boden. Immerhin rückt die Freiluft-Saison näher...
Mittwoch, 21. März 2012
Vor einem Monat waren am Mittwoch jeweils satte fünf Milongas alleine in Zürich angekündigt. Zweifellos zuviel. Im März sieht das deutlich anders aus. Das rapide Sterben von Winzmilongas kann ich mir nur damit erklären, dass sich die neuen Suisa-Tarife so langsam herumgesprochen haben. Gut, beim Corrientes offenbar noch nicht, aber das ist wohl auch nur noch eine Frage der Zeit.
Konkret gilt für Tanzanlässe seit Januar 2012 der neue Tarif Hb. Kleine Milongas (Platz für weniger als 100 Personen) bezahlten bisher mit Mengenrabatt rund 45 Franken pro Veranstaltung, jetzt sind es rund 75 Franken. Das steht so natürlich nicht im Tarif drin, die Details sind schön verklausuliert über mehrere Absätze hinweg verteilt. Nebst der allgemeinen Preiserhöhung schlägt hier vor allem die Tatsache zu Buche, dass bei reinem Tonträgerabspielen ("Disco") die Abgabe für die verwandten Schutzrechte verdoppelt wird. Auf das Jahr gerechnet ergibt das bei einer wöchentlichen Milonga Kosten von fast 4000 Franken. Das ist eine Menge Holz.
Als Winzmilongaveranstalter sucht man sich daher am besten einen Sponsor (schwierig). Oder meldet seine Veranstaltung gar nicht mehr an (wird teuer, wenn man erwischt wird). Oder reicht regelmässig Listen ein, wonach man bloss freie Musik spiele (kompliziert). Oder streitet mit der Suisa über die Angemessenheit, notfalls vor Gericht (aufwändig, kann auch teuer werden). Oder man definiert die Milonga zur Practica um, denn beim Tanzunterricht sind die Abgaben vergleichsweise lächerlich tief. Mal sehen, wie sich die hiesige Milongaszene in den nächsten Monaten verändern wird.
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Kommentar von ratatouille
Die Frage ist, was finanzieren wir mit diesen Suisa Beiträgen? Zuerst einmal eine aufgeblasene Verwaltung die vor allen Dingen sich selber genügt. Dann soll natürlich DJ Bobo, Francine Jordi, Peter Räber und natürlich Gölä usw. nicht am Hungertuch nagen. Das würde der Kreativszene Schweiz enormen Schaden zufügen. Die Leute die sich mit Tangomusik beschäftigen sehen kaum jemals mehr als einen bescheidenen Beitrag zum Frühstückskaffe. Ob es jemals ein Suisafranken nach Argentinien schafft, wage ich zu bezweifeln.
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Kommentar von irma
Ich zahle seit gut 13 Jahren Suisa-Gebühren und es stimmt wirklich, dass kaum etwas davon nach Argentinien kommt... Wieso macht denn die Suisa nicht einen Fonds für spannende Jungprojekte, oder z.B. um Kleinveranstaltungen zu entlasten? Nun stehen viele Kleinveranstalter vor dem Aus, es sei denn, man findet eine "Nische" und dies ist wirklich nicht so einfach oder erhöht den Eintritt erheblich (noch nicht mal dann ist es gesagt, dass man damit herauskommt)...
Als ich mich mit mit anderen Veranstaltern zu dem Thema ausgetauscht habe musste ich feststellen, dass erschreckend viele davon die Milongas schwarz machen... Das wäre mir ehrlich gesagt aber zu riskant... Ich hoffe, dass sich eine Lösung bietet, es wäre wirklich sehr schade, wenn deshalb kaum mehr Milongas stattfinden könnten...
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Antwort von Patrick
Wer sich dafür interessiert, wie der neue Tarif zustande gekommen ist: hier kann man es nachlesen. So habe es angeblich die "Strukturänderung" (gemeint ist unter anderem die Verdoppelung der Beträge bei den verwandten Schutzrechte) schwierig gemacht, die (finanziellen) Auswirkungen zu beurteilen. Klar. Konkret haben die Nutzerverbände ihre Zustimmung gegeben, damit hat die Paritätische Kommission wie auch der Preisüberwacher die Augen zugemacht und das Ding durchgewunken. Nutzerverbände? Ja, die DUN beispielsweise. Wer auf deren Homepage die Mitgliederliste anschaut, dürfte auch rasch zumindest den Hauch einer Ahnung haben, weshalb die sich einen feuchten Kehricht um die Belange der Kleinveranstalter kümmern. Natürlich könnte jeder Milongaveranstalter dort Mitglied werden und mitbestimmen. Der Mindest-Jahresbeitrag beträgt allerdings 1300 Franken, damit auch sicher niemand auf diese Idee kommt.
Das Fazit der Kommission: "Bezüglich der Angemessenheit des vorgelegten Tarifs verweisen die Verwertungsgesellschaften auf die Zustimmung der Verhandlungspartner zu diesem Tarif sowie darauf, dass es im vorliegenden Fall keine Umstände gebe, die der Annahme widersprechen würden, wonach der Tarif einer unter Konkurrenzverhältnissen zustande gekommenen Einigung gleichkomme." Den Satz muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen, nachdem man das Waschbecken wieder sauber gekriegt hat.
Nun kann beispielsweise in Deutschland jeder Veranstalter die Angemessenheit eines Tarifs durch ein Gericht klären lassen -- immer vorausgesetzt natürlich, man hat zuviel Zeit und Geld. In der Schweiz geht das nicht, die Gerichte sind an die von der Paritätischen Kommission genehmigten Tarife gebunden. Damit schliesst sich dann der Kreis. Quizfrage: Was kann man dagegen tun?
Als Veranstalter empfiehlt es sich, augenblicklich den Vertrag zu kündigen, die rückwirkende Änderung per Januar keinesfalls zu akzeptieren und auch jegliche Akontozahlungen sofort einzustellen. Milonga sistieren. Immerhin haben schon einige ganz aufgehört, der Suisa dürfte klar sein, dass das keine leere Drohung ist.
Dann die Suisa auffordern, einen angemessenen Tarif zu entwerfen und subito von der Eidgenössischen Schiedskommission genehmigen zu lassen. Angemessen bedeutet 13 Prozent des Umsatzes. Wer zweimal im Jahr eine Openairmilonga macht kann sich darauf natürlich nicht berufen, weil der Aufwand fürs An- und Abmelden auch Geld kostet. Aber bei einer regelmässigen Milonga geht das gut: Pauschal 150 Franken pro Jahr für den Verwaltungsaufwand plus 13 Prozent des Umsatzes. Da man für die Steuern eh eine Buchhaltung führen muss ist das kaum Zusatzaufwand.
Dazu noch die Medien einschalten: Niemand versteht, weshalb Tänzer jetzt plötzlich die doppelten Abgaben bezahlen müssen. Und auch erzählen, wo das Geld hinfliesst. Hierhin nämlich.
Wenn sich alle Milongaveranstalter jetzt auf die Hinterbeine stellen, dann haben wir im Jahr 2013 vielleicht einen halbwegs tauglichen Milongatarif. Einen Versuch sollte das doch wert sein, oder?
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Kommentar von Ratatouille
Ich werde mich auf jeden Fall einsetzen. Leserbriefe schreiben Redaktionen anschreiben usw. Die Suisa haben wir schon attackiert, natürlich ohne Ergebnis. Wir haben nicht einmal eine Antwort bekommen.
Mal schauen wie gross die Solidarität unter den Milongabetreibern ist. Wenn wir etwas erreichen wollen sollte sie gross sein.
Freitag, 23. März 2012
München, Tangoprojekt, Sonnenstrasse. Hui, DJ Zlatko mischt Wiener Walzer zu Vals, Caceres zu Milonga und bietet dazwischen viel Elektrotango. Möglicherweise bin ich naiv, aber nach der "Argentinische Kultur"-Ankündigung habe ich zumindest Tandas erwartet. Viele Zwangspausen. Hätte ich das gewusst, wäre ich wohl gleich zur Crossover-Milonga um die Ecke gegangen.
Auch ansonsten sind meine Chancen gering. Ich tanze zwei wunderschöne Tandas, und die Tänzerin gibt sich sogar noch als Blogleserin zu erkennen. Musikalischer Höhepunkt des Abends ist zweifellos die unbekannte Dame, die mit tiefer Stimme und feinfühligem Akkordeonspiel die Menge verzaubert. Es sind drei stimmungsvolle Zeitlupentangos, die durchaus tanzbar wären. Die vielen Frauen, die nicht schon auf der Piste sind, beschäftigen sich leider allesamt miteinander an der Bar. Insofern ist auch München irgendwie ein hartes Pflaster. Anmerkung für die Puristen: Es war ein Pianoakkordeon!
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Kommentar von Christina
Ja, die Musikzusammenstellung war wirklich etwas seltsam. Die meisten Tanzenden hat es bedenklicherweise wohl nicht weiter gestört; alle waren froh dass in diesem schönen Raum wieder eine Abend-Milonga stattfindet. Ich bin gespannt wie sich diese Milonga weiterentwickelt. Und nächstes Mal wirst Du geführt- versprochen! Sonnige Grüße aus München, Christina
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Kommentar von Theresa
Tja, in jeder anderen Münchener Freitagsmilonga hättest du Tandas vorgefunden, sogar in der Crossover Milonga im traditionellen Saal ....
Samstag, 24. März 2012
München, Bailongo. Wunderschöner Musikmix, auch die Lautstärke äusserst angenehm, die Tandas machen Lust auf Tanz. Lerne gleich beim Eingang eine Frau kennen, die hier wohl auch niemanden kennt, und wir drehen einige Runden. Allerdings wächst meine Sehnsucht nach geschlossener Umarmung, und mein Cabeceoflehen wird ringsum dauerhaft nicht erhört. Beschliesse daher irgendwann, dass es an der Zeit ist, ein paar Häuser weiterzuziehen.
Dunkel wars, zum Glück erspähe ich im Innenhof eine herniedergelassene Laterne. Um die Ecke die zweite, dann geht auch schon der Einbrecher-Schockscheinwerfer an. Mit dem abgefuckten Eingang des Berliner Tangolofts können die Münchner definitiv nicht mithalten. Hier heisst es auch "Lo de Laura". Komplett überfüllte Garderobe und kurz vor Mitternacht viel Volk. Irgendwie kommt da Tangoloft-Gefühl auf.
Auch hier sorgt die Musik nicht für Zwangspausen, und es ergeben sich wunderschöne Tänze. Zitat des Abends: "Du hast einen lustigen Tanzstil. Du bist nicht von hier, oder?". So kommt irgendwann die Cumparsita, danach die letzte Tanda, und danach die Allerletzte. Irgendwann muss man auch die schönste Umarmung aufgeben, und bis ich im Bett bin, ist es fünf Uhr morgens. Doofe Sommerzeit.
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Kommentar von Theresa
He, du warst im Bailongo! Schade dass du dich nicht vorgestellt hast - vielleicht hätte ich dir ja auch noch ein paar Tänzerinnen vermitteln können ....
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Kommentar von Joachim
Angehende Gurus stellen sich nicht vor, Theresa, sie werden erkannt und umgehend angehimmelt :)
Oder möchtest Du etwa zu vermuten geben, in München gäbe es mehr als einen Nahezu-Guru mit einem lustigen Tanzstil? ;) Ich meine jetzt, von ausserhalb?
Nachtrag: Fiel mir grad so auf: Wie heissen denn weibliche Gurus? Nur dass man mal nach einem Blog Pendant googeln könnte? Hmm. vielleicht "vom Küken zur Diosa"? Nö, zu zweideutig. Schade.
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Antwort von Patrick
Theresa, mir ist erst zu später Stunde aufgefallen, wo überhaupt das DJ-Pult ist -- und da warst Du dann wohl grad irgendwo am Plaudern. Ich werd beim nächsten Mal nachfragen. Aber bitte keine Vermittlungen. In der Vergangenheit waren das jeweils technisch hervorragende Tänzerinnen, die mir bei jedem Schritt zu spüren gaben, dass sie mit mir nichts anfangen können. Sowas ist dann noch schlimmer als rumsitzen...:)
Joachim, weibliche Gurus? Die Stufen zum Guru fangen beim Studenten an, führen über den Haushalter und den Waldeinsiedler schliesslich zum Wanderasketen. Was denkst Du, wie weit eine Tanguera mit 8cm-Absätzen auf dieser Reise kommt?
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Kommentar von Joachim
Sie lässt sich auf Händen tragen oder bestenfalls wandelt sie über rote Teppiche, von Prinzen und Fröschen umrandet. Oder sie hockt sich auf ihre Harley und brettert in die Einsiedelei, sofern ein Schuhladen in der Nähe ist. Du kannst ja lustige Fragen stellen. Nicht aus München, wie?
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Kommentar von TwoToTango
Das gibt 5 Franken in die Machokasse. ;->
Brauchen Tangueras das Guru-Getue schlichtweg nicht? Wissen sie, wann sie die Stilettos mit Vorteil gegen bequemes Schuhwerk tauschen?
Sonntag, 25. März 2012
Nachmittagsmilonga in der Sonnenstrasse, dank schönem Wetter lichtdurchflutet. Hervorragende Kuchenversorgung, viel Volk. Leider gehen auch hier die Blicke an mir vorbei. Als ich mich zwischendurch ikonenhaft auf einen hohen Hocker setze, spüre ich, dass viele Frauen meine Schuhe mustern. Hm, sind meine tres pisadas-Treter möglicherweise nicht so ganz statusgerecht?
Irgendwann klappt es dann doch, und ich lerne so nebenbei noch die Unterschiede zwischen der nieder- und oberbayrischen Sprache. Den Musikmix fand ich so lala, aber wenn man kaum tanzt, kommt es ja eh nicht so drauf an. Offenbar findet heute die letzte Version dieser Nachmittagsmilonga statt, der neue Ort scheint noch unbekannt. Schlussrunde zur Cumparsita im 3/4-Takt. An das Stück werd ich mich nie gewöhnen.
Letzter Versuch an diesem Wochenende: Abendmilonga im Schlachthof. Stimmt, abgesehen vom Festival vor knapp vier Jahren war ich im Mai 2010 schon hier, zum Konzert vom Sexteto Milonguero. Heute deutlich weniger Leute als damals, die Stimmung ist auch ruhiger. Als Werbung würde "wir spielen die hässlichsten Milongas" gut passen, fast schlimmer ist jedoch die Verlosung mit einem endlosen Nichtspannungsaufbau nach dem Vorbild von RTL 2.
Glücklicherweise treffe ich erneut eine Tänzerin vom Samstag, womit ich den Abend tänzerisch wunderschön ausklingen lassen kann. Ansonsten scheine ich auch hier trotz aller Tricks völlig unsichtbar zu sein. München liegt möglicherweise einfach zu nah an Zürich...
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Kommentar von Mikamou
München habe ich auch als schwieriges Parkett erlebt, dabei muss man sich, wenn man dort so in die Runde schaut, die Frage nach dem Warum schon stellen.
Das wird wohl so ein Phänomen sein, welches sich proportional zur Einwohnerzahl verhält. Wieviele Einwohner hat es schon wieder Zürich?
Freitag, 6. April 2012
Ostertango, Nachmittagsmilonga. Dank Cafe-Umbau im Saal, wo das viele Volk auch einigermassen Platz findet. DJ Marcelo heizt mit rhythmischer Hetze ein, Abwechslung gibt es lediglich mit schwerfälliger Dramaturgie. Definitiv nicht mein Musikstil. Immerhin weist er alle paar Minuten darauf hin, dass wir uns im Jahr 2012 befinden. Bei der Orientierung auf der Piste hilft das allerdings auch nicht. Anschliessend wunderschöner Ausklang in den Sonnenstrahlen bei der Mittleren Brücke. Die Openair-Saison hat definitiv begonnen.
Abendmilonga mit Electrocutango. Ja, auch nicht so ganz meine Musikwelt. Aber ich konnte mich mental darauf vorbereiten, ausserdem übernimmt eine Tanguera bei den Hardcore-Elektrostücken die Führung. Als Folgender macht das Spass. Auf der Piste ist soviel Luft, dass ich zwischendurch sogar mal offen tanze. Hoffentlich hat das niemand gesehen.
Michelle und Joachim tanzen vor, wirklich beeindruckend finde ich die verspielte Milonga. Danach geniesse ich dann wieder die geschlossene Umarmung. Schöne Tänze, aber irgendwann nach zwei Uhr ist der Ofen aus. Ich werde alt...
Samstag, 7. April 2012
Erneut Nachmittagsmilonga im Volkshaus, heute dank DJ Virulazo mit deutlich besserer Musik als gestern. Geremple wie üblich, Tanzspuren entstehen und verschwinden im Sekundentakt. Unfassbar guter Schokoladekuchen, allerdings ziemlich prohibitiv bepreist. Nasche daher ab fremdem Teller. Vitamine sind eben wichtig.
Abendmilonga heute mit DJ Bärbel. Mir ist immer noch nicht klar, weshalb sie nach Saarbrücken virtuell beinahe gesteinigt worden war. Mir hat der Mix heute gefallen. Und es war die erste Milonga an diesem Festival, an dem die Lautstärke angenehm war.
Natürlich nur bis Julio und Corina aufgetreten sind, denn bekanntlich können sich Argentinier keine Hörgeräte leisten. Ich fand deren Show eine Zumutung fürs zahlende Publikum, einzig die Milonga am Schluss war beeindruckend.
Ein paar schöne Tandas später gab es minutenlang weise Worte in einer südamerikanischen Fremdsprache. Dunkelheit umhüllte die Festivalgemeinde. Doch endlich hatte Gott erbarmen und sandte einen Lichtstrahl: Chicho lebt! Als Überraschungsgast zusammen mit Juana zelebrierte er genau einen Tanz. Ja, definitiv, er kann es. Die Götter würgten danach alle Zugabe-Rufe konsequent ab, so dass die Piste wieder zum Tanzen da war. Ob das wirklich mit Nachsicht gegenüber den Tänzern zu tun hatte oder eher mit der auf einen Showtanz beschränkten Gage, das werden wir wohl nie erfahren.
Je später, desto luftiger die Piste, und desto gemütlicher die Tänze. Einzig das Ameisenbecken im Eingangsbereich ist hoffnungslos verwuselt. Hm, und gestern gab es als Eingangsstempel einen roten Elefanten auf die Hand. Heute einen roten Vogel. Differenzierung schwierig. Hätte ich das gewusst, hätte ich mich einen Tag lang nicht gewaschen...
Sonntag, 8. April 2012
Ich könnte schwören, der Schokokuchen gestern an der Nachmittagsmilonga kostete sechs Franken. Heute noch fünf. Doch ich kam nicht dazu, über Deflationstheorien nachzudenken, schliesslich warteten Tänze. Erspähte zwischendurch mal eine Tänzerin mit aufgesetzten Osterhasenohren. Leider nicht aus Schokolade...
Danach war ich zu müde für die Abendmilonga, nahm mir aber noch Zeit für einen ausgiebigen Besuch bei Irma. Schliesslich suche ich schon seit längerer Zeit einen Tanzschuh mit etwas Absatz plus Fersenstabilität (Der Schuh von Raquel war bereits nach einem Jahr durchgetanzt). Nach 15 Minuten umherwandern war die Entscheidung klar: Jeansstoff mit Holzapplikationen. "Ein Unikat!", betont Irma. Ein kleiner Schritt hin zum Guru, ein grosser Geldbetrag für Patrick. Plane Testtänze für den Montag ein.
Montag, 9. April 2012
Erneut Nachmittagsmilona. Hoffe aufgrund der Deflation auf einen heutigen Kuchenpreis von vier Franken, doch wir sind wieder beim Kurs von sechs Franken. Könnte hier nicht mal die Nationalbank intervenieren? Immerhin war der Eurokurs von Irma gestern Abend gut. Und die Schuhe auch. Etwas ungewohnt (Absatz nun 3,5 statt wie bisher 2 Zentimeter), aber sie sitzen perfekt und drücken nicht.
Wegen der Holzapplikationen stelle ich fest, dass sie auf Parkett mit dem Untergrund verschmelzen. Also Tarnkappenschuhe. Machen aber dennoch mächtig Eindruck. Und ich finde sogar noch eine Frau mit perfekt dazu passenden Hosen. Bloss die passenden Männerhosen fehlen mir noch...
Den ganzen Morgen hatte ich mich mental darauf vorbereitet, dass heute Peter auflegt. Peter findet Tandas überflüssig. Die Leute (zumindest diejenigen, die mit der Basler Szene nicht vertraut sind) fragen mich dauernd, weshalb er nach Zufallsprinzip auflegt. Habe deshalb ein wenig Muskelkater vom vielen Schulterzucken. Ostermontag-Resteverwertung halt. Nur ohne Ostereier. Ach ja, und irgendwer hat auch mal wieder planlos am Equalizer rumgefummelt. Ist es wirklich zuviel verlangt, vor einer Milonga einen Soundcheck zu machen?
Dann durfte ich für zwei Lieder mal wieder die Frauenrolle geniessen. Einfach fantastisch, sich mal nicht um das Chaos auf der Piste scheren zu müssen. Allerdings ist meine Haltung noch stark..äh...verbesserungswürdig. Und um wirklich auf die Folgerolle umzuschalten bräuchte ich wohl mal einige Tandas am Stück.
Gemütlicher Ausklang zu später Stunde in der Mitte. Wenig Leute, wenig Tänze, und auf dem hellen Steinboden kommen auch meine Schuhe irgendwie nicht so richtig zur Geltung. Dennoch schöne letzte Runden, bevor die weitgereisten Tangueras wieder in die weite Welt abdüsen. Der Alltag ruft.
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Kommentar von Roberto
Also lieber Patrick, ich glaube du musst deine Einstellung zum Tanzen, DJ's und Milongas ändern, sonst wird das nix mit dem Guru. Ich habe deinen Beitrag mal statistisch untersucht und komme auf 8 negative- und nur auf 7 positive Nennungen. Beim letzten und vorletzten Beitrag wars noch schlimmer, da gabs von dir eigentlich nur zu meckern. So wird das sicher nix mit dem Guru, du scheinst dich ja fast an jeder Milonga zu quälen, was ich allerdings nicht glaube. Also ab jetzt mal für eine Weile nur noch positive Beobachtungen, gell.
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Antwort von Patrick
Roberto, Du liest einfach zu negativ. Teurer Kuchen hilft mir dabei, mein Übergewicht zu bekämpfen. Schlechte DJs verhindern, dass meine neuen teuren Tanzschuhe zu schnell abgenutzt werden. Und endlose Shows sorgen für eine gewisse Pause von den dauernden Heiratsanträgen auf der Piste. Ausserdem, 8 zu 7, hey, das ist ja erschreckend ausgewogen...
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Kommentar von Joachim
Nicht ganz überzeugend neutralisiert... "Ausserdem, 8 zu 7, hey, das ist ja erschreckend ausgewogen..." gegen Swissness kann man halt nix machen: genetisch.
Jetzt aber die negativen Wertungen zu positivieren versucht und dabei doch negativ geblieben: "...mein Übergewicht zu bekämpfen" - richtig meintest Du "mein Idealgewicht zu halten" :)
"... neuen teuren Tanzschuhe zu schnell abgenutzt werden" - richtig meintest Du "aus Sorge, jemand könnte auf meine Unikate stapfen und sich danach dafür entschuldigen müssen"
Gegen "dauernde Heiratsanträge auf der Piste" hülfe eventuell flüssiges Tanzen. Keeps 'em busy..., hihi :)
Freitag, 13. April 2012
Kehl, La Cita. Türe zu? Ah, hier muss man klingeln. Sibirische Temperaturen im Eingangsbereich (und aufs Klo bringt man besser sein eigenes Tüchlein mit), dafür tropische Wärme im oberen Stock an der Milonga. Fantastische Kuchenversorgung. Grosses Treffen der Strassburger, Freiburger und Rhein-Main-Szene. Mein Französisch ist noch immer miserabel.
Dafür fliegen die Blicke, und die Piste ist recht angenehm zu tanzen. Einzig die Hänge- und Ziehfraktion ist hier überraschend gross. Muss mein Krafttraining mal wieder intensivieren. Kurz nach zwei eine wunderschöne Cumparsita von Silencio. Wow. Melina legt modern auf...;-)
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Kommentar von Melina Sedo
Duhu... Patric.... Die Cumparsita war von Di Sarli. Wie üblich nach der letzen Tanda, die auch von Di Sarli (mit Pomar) war. Ich besitze gar nichts von Silencio. So sorry! ;-)
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Antwort von Patrick
Autsch, war wohl doch schon etwas spät. Aber jetzt weiss ich endlich, wo Di Sarli das geniale Arrangement geklaut hat...(Das gibt jetzt bestimmt Haue aus Zürich)
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Kommentar von Tangonegro
Bei der nächsten herablassenden Äusserung des Bloggers über die Musikauswahl der DJ's werde ich denken: Das ist doch der, der Di Sarli nicht von Silencio unterscheiden kann...
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Antwort von Patrick
Wo Du recht hast, hast Du recht. Aber iss doch mal während einer Milonga sieben Stück Schokokuchen. In dem Rausch kann man kaum mehr die Pet Shop Boys von den Village People unterscheiden!
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Kommentar von Joachim
Andre sind wegen sowas ihren Bundespräsidentenjob losgeworden, aber schon damals wurde von Schurnalisten beklagt, dass Schurnalisten über ihre zahlreichen Vergünstigungen gern den Mantel des Schweigens breiten. Also nicht nur di Sarli nicht von Silencio unterscheiden können (andere kaufen einfach so modernes Teufelszeug gleich gar nicht...), sondern auch noch "der schreibt nur von toller Atmosphäre und fliegenden Cabeceos (die vielleicht auch nur denken, "wow, wieviel Schokoladenkuchenkrümel haben um einen einzelnen Mund denn Platz, ist ja erstaunlich!"), weil der Veranstalter ein ganz Schlauer war und zufällig ein frisches Blech Kuchen neben dem richtigen Platz abstellte, "da muss nichts übrigbleiben..." murmelte und sich insgeheim die Schwerverdienerhände rieb".
Schon klar, diese altrosa website war auch nicht geschenkt. Oder?
Samstag, 14. April 2012
Frühstück bis neun Uhr? Ja, eindeutig ein taktischer Fehler bei der Wahl des Gasthofes. Immerhin kein störender Zimmerservice, so konnte ich das Frühstück mit über fünf Stunden wenigstens _richtig_ verschlafen. Schönheit hat keinen Preis, aber sie braucht Zeit.
Grosse Samstagabend-Milonga im La Cita. Noch mehr Kuchen. DJ Karin legt für meinen Geschmack etwas gar zuviele abgenudelte Tangos auf, doch je später die Stunde, desto eher lasse ich mich zum Tanz verführen. Gut, La Yumba kurz vor drei Uhr morgens grenzte wiederum knapp an Körperverletzung. Immerhin war die Piste dann luftig, und man erahnte sogar etwas von der Klimaanlage.
Dann hat mir noch ein Platzhirsch eine angenickte(tm) Dame auf halbem Weg weggeschnappt, dafür habe ich später einen Aufforderungsblick fälschlicherweise als Ermahnung gedeutet. Ich brauch mal wieder einen Cabeceokurs, scheint mir.
Angenehme Piste in Kehl, Geschlechter-Verhältnis einigermassen ausgeglichen -- fast ein bisschen wie auf einem Milonguero-Festival. Bloss dass man sich hier nicht monatelang vorher als Paar anmelden muss.
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