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Aktuelle Infos zur Freitagsmilonga.
Sonntag, 07. Februar 2010
Bislang empfand ich meine Salsakenntnisse meistens als recht hinderlich beim Tango. Auch die tiefe, ziemlich hiphop-mässige Körperhaltung beim Lindyhop ist völlig anders. Und jetzt darf ich zwei Nachmittage lang endlich mal völlig locker rumtrampeln. Die Hüfte mitschwingen lassen. In gewissen Figuren gar die Frau mit meiner Hüfte hin- und herdrehen. Gemeinsam in eine Richtung blickend und mit der Hand an der Hüfte das äussere Bein nach vorne und hinten schwenken. Oder auf einem Bein stehend an Ort und Stelle die Körper mitsamt Hüfte hin und her verdrehen. Allerdings kann man damit auch perfekt die Piste blockieren.
In der Pause dann Diskussionen darüber, zu welcher Musik der Tanzstil gut passt. Ja, Canaro, Castillo, wohl auch zu frühen Di Sarlis und alten Stücken von Fresedo. "Oder auch zu Otros Aires", meint Romeo mit schelmischem Blick. Canaro und Castillo würden sich im Grabe umdrehen...
Interessant auch, dass die alten Stile in den 1920/30er Jahren zwar mit vollem Körpereinsatz getanzt, aber dennoch recht stark mit den Händen geführt wurden. Ach ja, und während einer Hüftdrehung hab ich meinen rechten Unterschenkel über den linken geschlagen. Mein erster Männergancho. Und es hat gar nicht weh getan...
Samstag, 06. Februar 2010
Workshop alter Tango: Musik von Canaro, Bewegung tief in den Knien, relativ kräftige Rumpf-, Schulter- und Armbewegungen, das System rein parallel, Körperhaltung leicht torkelnd. Immerhin, beim letztgenannten Punkt bin ich gar nicht schlecht. Bei Cécile und Romeo sieht das ganze deutlich schicker aus, man fühlt sich um knapp hundert Jahre in der Zeit zurückversetzt. Und der Unterhaltungswert ist riesig.
Vor allem die erdige Art, wie man Schritte setzt, tut mir ganz gut: Hier bin ich durch regelmässige Verdoppelungen endlich mal gezwungen, die Schritte und damit auch meine Gewichtswechel überdeutlich anzuzeigen. Trotz der trampeligen Art zu gehen ist Canyengue irgendwie auch ein sehr verspielter Stil. Daher freut sich das grosse Kind auf Teil Nummer zwei am Sonntag...
Mittwoch, 03. Februar 2010
Gemütliche Mittagsmilonga, die Frau tief in mir kapiert sogar so langsam, wie man Giros tanzt. Ich habe die Reaktionszeit einer alkoholisierten Schnecke. Dafür aber immer auch gute Ausreden: "In der Musik spürte ich keine Verdoppelung!"
Abends im Kurs erneut Drehungen, aber als Mann. Eigentlich sind es simple Giros mit einzelnen Sacadas, aber 99 Prozent meiner Konzentration geht für das Speichern und Abrufen der Sequenz an sich schon drauf. Schwierig und schön zugleich ist, dass die Frau den Mann auch mitnehmen kann, dass die Drehung somit wirklich nur aus einem präzisen und aufmerksamen Zusammenspiel funktioniert...
Sonntag, 31. Januar 2010
Die Lautsprecheranlage im Tanzpalast hatte mich bislang noch nie so recht vom Hocker gehauen, allerdings war ich mir auch nie sicher, ob viele DJs das Zeugs nicht einfach übersteuern. Heute hat Christian mal wieder aufgelegt, und ein paar Tage zuvor hatte er offenbar durchgesetzt, dass die Anlage überprüft und neu eingestellt wird. Es hat sich gelohnt, es klang heute tatsächlich besser. Auch besser als bei mir an der Milonga, das muss ich neidlos anerkennen.
Christian warf auch heute seine Tandabeschreibungen wieder per Projektor an die Wand, dazu neu auch noch die Abfolge von Tango, Vals und Milonga sowie die Abfolge von instrumentalen und gesungenen Tangos. Ich stelle fest, dass er deutlich mehr gesungene Tangos spielt als ich -- lediglich zwei von sieben Tandas sind bei ihm instrumental. Ich hingegen halte den Anteil an gesungenen Tangos bei rund 50 Prozent. Dafür darfs zwischendurch auch mal ein richtiger Jammertango sein...
Donnerstag, 28. Januar 2010
Interessante Diskussion mit einem Mann, der schon länger und musikalisch gut Salsa tanzt: Er habe vor Jahren mal einen Tango-Schnupperkurs und danach einen regulären Kurs besucht, aber nach wenigen Wochen wieder aufgegeben. "Schade", meinte ich, und fragte ihn, ob er sich noch erinnere, weshalb er die Lust wieder verloren habe.
"Im Unterricht gab es dauernd nur komplizierte Schrittvariationen. Ich fühlte mich überfordert und konnte mir das Zeugs nicht merken. Irgendwann hab ich aufgehört", meinte er schulterzuckend. Hm, kennen wir das nicht alle aus den Anfangstagen? Die Frage bleibt offen, ob es wirklich nicht möglich ist, beim Tango gleich zu Beginn zumindest minimale Erfolgserlebnisse einzubauen. Freies Gehen zur Musik sowie Gewichtswechsel sind eigentlich keine Hexerei, aber viele Schulen scheinen gleich in den ersten Stunden lieber Achten und Kreuze zu klotzen...
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Kommentar von Mikamou
Nun bei "viele Schulen" kann ich nicht mit reden, so weit habe ich mich nicht gestreut, aber ich meine mit „Freiem Gehen zur Musik sowie Gewichtswechsel“ kannst du in keiner Schule die Leute bei der Stange halten, wenn sie in anderen Tänzen schon Figuren serviert bekommen?
Also wenn ich mir den Salsa Unterricht so anschaue dann wird doch: Grundschritt geübt, in alle Himmelsrichtungen und in allen Variationen, Figuren gezeigt, durchschritten und geübt. Es bleibt hängen beim Schüler, der Grundschritt und eine Sequenz. Im Laufe der Zeit festigt sich der Schritt, die Sequenzen wiederholen sich oft und da die Sequenzen doch recht standardisiert sind trifft man sich schnell auf einer kleinen Übungs- bzw. Tanzbasis. Weiter hat Salsa keinen Tanzfluss, also kann man sich doch schnell mal in eine Ecke stellen und ein bisschen Schunkeln. Ergo Erfolgserlebnis. Von den entspannteren Aufforderungspraktiken mag ich mal nicht reden, aber eine Tango-Umarmung ist auch nicht eine Salsa-Umarmung.
Hier gibt es doch einige Elemente, welche sich nicht mir nichts dir nichts auf den Tango übertragen lassen: Kann man den Grundschritt vor dem Spiegel üben? Gibt es den überhaupt? Kann man in jedem Kurs 15‘ Gehen servieren? Wie bitte soll ich in meinem Körper merken, dass er richtig geht? Kennst du viele die sich in ihrem Körper so wohl fühlen, dass sie schon zu Beginn den Kick im Gehen bekommen? Wie soll ich mich wohl fühlen, wenn ich die unbegrenzten Möglichkeiten ahne und mir gerade mal das Gehen präsentiert wurde? Und wie verkaufe ich das meiner Tänzerin, auch wenn die Damen immer darauf schwören, dass schönes Gehen genügt? (Den besseren Tänzerinnen glaube ich das mittlerweile auch.;)
Ich denke die "Turnerriege von Plan-T" (sic) hat da einen Weg eingeschlagen, welcher versucht speziell dem Problem des Erfolgserlebnisses Rechnung zu tragen.
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Antwort von Patrick
"In alle Himmelsrichtungen"? Klingt nach Salsa Cubana. Dort ist das aber eher eine Übung dafür, einfach stur den Rhythmus durchzulaufen. Der Rhythmus ist wie ein Sklaventreiber, entsprechend das Timing entscheidend. Manche Dinge kannst Du nur auf eins machen, viele nur auf fünf, gewisse Dinge startest Du irgendwo zwischen sechs und sieben. Das ist am Anfang durchaus nicht trivial, auch wenn langsame Musik beim Üben hilft. Aber auch hier kann man rasch improvisieren: Wenn Du weisst, wann Du eine Dame wie in die Rechtsdrehung führen kannst, dann kannst Du dazu beliebige Handkombinationen nehmen, oder Du zupfst an ihrer Schulter oder Hüfte. Sequenzen sehe ich da eher als Krücke. Ich werds ausprobieren, während der Fasnachtsferien werde ich zum ersten Mal Salsa unterrichten.
Beim Tango: Gehen mit Rollenwechsel ist doch für beide spannend und abwechselnd, Gewichtswechsel mit Frau (kombiniert mit Seitenschritten) und später Gewichtswechsel ohne Frau bringt dann auch noch viele Variationen, zumindest für die ersten Stunden (und davon sprach ich ja ursprünglich) halte ich das für sinnvoller und auch unterhaltsamer als schon Ochos mit Ganchos zu kombinieren. Gerade regelmässige Rollenwechsel helfen doch, dass sich die Frau nicht langweilt (und den Part des Führenden auch zu schätzen weiss) und der Mann versteht, dass aufmerksames Folgen auch nicht einfach vom Himmel fällt.
Körpergefühl...ja, guter Punkt. Wobei das sicher nicht einfacher zu erlangen ist, wenn man Figuren klotzt. Bewusste und langsame Bewegungen fand ich immer hilfreich (vor allem Melina und Detlef scheinen sich bei ihrer Didaktik viel überlegt zu haben), Rollenwechsel bietet auch die Möglichkeit zur bewussten Wahrnehmung. Mal sehen, ob ich bis zur Erlangung der Gurureife (geschätzt 2017) noch andere Ideen habe.
Was die "entspannteren Aufforderungspraktiken" angeht: Vergiss es. Ich hab in einzelnen Monaten mehr Salsakörbe gesammelt als in meinen bisherigen knapp drei Jahren Tango.
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Kommentar von Salserita
Sagt der, der am Donnerstag immer von mindestens drei Frauen belagert wird...
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Antwort von Patrick
Das ist erstens masslos übertrieben und liegt zweitens nicht an meinen Tanzkünsten, sondern an meinem blendenden Aussehen...
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Kommentar von Mikamou
Also deine Beschreibung, was in Salsa so geübt und wann gezupft wird und in welchem Timing, betrifft wohl auch nicht die ersten Stunden... ;) Die Sequenzen sind immer und in allen Tänzen eine Krücke, aber eine sehr nützliche, auch wenn nur jene seelig werden, welche sich ihrer schnell entledigen. ... und viel Glück beim Unterrichten!
Zum Tango nur ... täusche ich mich oder hat sich deine Gurureife leicht nach hinten verschoben? ;)
Die "Aufforderungs--Praktiken", da meinte ich weniger die Korbhäufigkeit, sondern viel mehr wie bunt sich das Aufgefordere über die Tanzniveaus mischt ... im Tango bewegt sich das doch in engen Bahnen, im Salsa scheint sich das bunter zu mischen.
Übrigens an deiner Korbstatistik (der Anfang ist ja hier) zweifle ich ein wenig ... in einigen Fällen ist Kein-Cabeceo nicht auf die Unkenntnis dieser Praktik zurückzuführen und "beschäftigt wirken" eben nicht gleich "beschäftigt sein", sondern bedeutet schlicht Nein!
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Antwort von Patrick
Die Gurureife hatte ich von Beginn weg auf zehn lange Jahre festgelegt, einzig in tiefdepressiven Stimmungslagen (etwa bei Besuchen im Silbando) verdopple ich temporär die Schätzung. Guru ist ja nur ein diffuses Ziel, so wie auch die Leute im tiefsten argentinischen Süden dennoch von "sur" träumen. Und Eingang in die Korbstatistik finden nur eindeutige Körbe von bislang unbekannten Frauen. Hey, sonst könnte ja jede kommen.
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