Die Basler Tangoszene: Vom Anfänger zum Guru...

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Die Balken und die Musik

Sonntag, 13. Mai 2012

Biel, Maschinenmuseum Müller. Unten schweres Gerät aus den Jahren 1880 bis 1940, passend zu genau diesem Zeitraum im oberen Saal die Milonga. Allerdings verhindern dort zahlreiche Balken, dass man den Frauen den Splitter aus dem Auge ziehen könnte -- die Festwirtschaft-Sitzordnung tut ihr übriges. Und wer brav aussen rum tanzt, sollte gelegentlich den Kopf einziehen.

Christian wird übrigens hier im Juni seinen Musikvortrag halten, obwohl der Raum kein akustisches Eldorado ist. Aber möglicherweise reicht es, um Silencio von Di Sarli unterscheiden zu können...

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Kommentar von Klaus

Nicht die Akustik ist schlecht sondern die eingebaute Lautsprecheranlage. Zum Glück bringt Christian für den Vortrag seine excellente Musikanlage mit. Somit werden wir an diesem Anlass (Musikvortrag und Milonga) einen ausgezeichneten Sound haben.

Biel liegt bekanntlich im Kanton Bern und die Berner sind bekannt für ihre harten Schädel. Also keine Beunruhigung wegen einem Balken. Aber die Balken in der Saalmitte haben schon ihre nützliche Funktion, trennen sie doch Spuren auf friedliche Art.

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Ein schrilles Trio

Samstag, 12. Mai 2012

Kehl. Leider ziemlich kühles Wetter, der Andrang bei der Openair-Milonga ist daher...äh...überschaubar. Also komme ich um die 25 Euro für die Abendmilonga mit Livemusik wohl nicht herum. Ich will heute ja schliesslich noch tanzen.

Huch, eine halbe Stunde nach Milongabeginn fidelt eine Geige vor sich hin, offenbar hat der Soundcheck nicht so ganz ins Zeitprogramm gepasst. Ein Mischpult ohne Tontechniker lässt wenig Gutes befürchten. Trio Garufa heisst die Truppe, heute mit Cello, Keyboard und Geige. Zum Positiven: Das Repertoire schien aus tanzbaren Stücken zu bestehen, was ja selten genug der Fall ist.

Falls aber der Himmel tatsächlich voller Geigen hängt, dann müssen die Götter taub sein: Es krächzte grauenvoll. Erschwerend kam hinzu, dass sich die Geigerin mit den anderen beiden Musikern offenbar nicht auf ein gemeinsames Tempo einigen konnte. Gemeinsame Proben scheinen heute Luxus zu sein. Die Veranstalterin war mutig und setzte dem Schrecken nach dem ersten Set diskret ein Ende.

Zur Konserve tanzte es sich anschliessend deutlich leichtfüssiger, doch meine Chancen standen heute ziemlich schlecht. Kurz nach Mitternacht errechnete ich einen Männerüberschuss von über 25 Prozent. So überliess ich nach ziemlich wenigen Tänzen gegen ein Uhr das Feld den Lokalmatadoren, zumal da auch schon längst alle Kuchen weggefuttert waren. Keine Geigen, keine Tänze...

Nachtrag: Es handelte sich nicht um das "Trio Garufa", sondern um das "Trio de Garufa".

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Die Rosen und der Schlitz

Freitag, 11. Mai 2012

Kehl, Rosengarten. Seeerosen, viele Bäume, eine Holzplattform aufs Wasser raus, weit entfernt erspäht man eine Brücke -- man kommt sich ein wenig vor wie in einem Gemälde von Monet. 27 Grad, die Sonne knallt, aus einem Ghettoblaster dudeln schöne Tangos. Nach zwei Runden auf dem Holzplanken entflieht die Tanzpartnerin allerdings zu ihrem Workshop, und danach fühle ich mich zum Statisten degradiert. Einige Paare sowie ein Lokalmatador mit seinen Frauen beherrschen die Szene. Irgendwann entfliehe ich dem drohenden Sonnenbrand sowie dem anrückenden Gewitter.

Abendmilonga im La Cita. Die Mischung von DJ Andreas gefällt mir ganz gut, aber gegen die Mousse au chocolat kommt er ehrlich gesagt nicht so ganz an. Schöne Tänze, bis Jimena und Juan vier Showtänze abziehen. Erstaunlich wenig Voleos. Die Schlitzhöhe eines Kleides scheint sich proportional umgekehrt zur Laune der jeweiligen Trägerin zu verhalten. Witzig hingegen, wie Juan die seitlichen Vorwärtsschritte von Jimena führte: Sein rechtes Bein zog er nach, mit dem linken Bein tappste er sich abwechselnd mit Ferse und Ballen nach links. Muss ich auch mal ausprobieren, wenn keiner zuguckt.

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Wilde Tänze in weiss

Montag, 30. April 2012

Frankfurt, Academia. Tanz in den Mai mit Dresscode. Sozusagen eine Ariel-Milonga. Ich hasse Dresscodes. Aber weiss, na gut, das geht zumindest als Hose noch so halbwegs durch. Ganz in weiss wäre mir dann doch etwas zu sehr in Richtung Lichtgestalt gegangen. Nicht dass mich noch jemand mit Jesus oder Detlef verwechselt.

Musikankündigung: 50 Prozent traditionell, 50 Prozent modern. Meine Erwartungen sind entsprechend tief. Immerhin: Die Chacarera-Show der Lokalmatadoren fand ich sehenswert. Beim Tango hingegen lebe ich wohl irgendwie in einer anderen Welt.

Viel Volk, noch mehr weisses Volk, aber erstaunlich wenig bekannte Gesichter aus der lokalen Szene. Ich weiss, dass einige nach Mannheim oder Heidelberg geflüchtet sind. Dabei könnte Frankfurt heute gar eine Openair-Milonga vertragen.

Nach vielen schönen Tänzen (trotz fürchterlicher Piste) lasse ich mich noch eine Weile führen, bis die Konzentration und vor allem die Reaktionsgeschwindigkeit definitiv nicht mehr reicht für die Frauenrolle. Zeitlupentangos sind heute leider eh rar. Aber der Mai ist ja noch lang...

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Tanzfluss am Rhein

Sonntag, 29. April 2012

Wiesbaden, Tango um vier in Biebrich. Rudersporthaus direkt am Rhein. Leicht sommerliche Temperaturen, leider dient die Aussenterrasse lediglich zur Erholung. Drinnen ein paar wenige Zwangspausen wegen der Musik, dafür eine sehr angenehme Piste. Irgendwie ist mir schon ein paar Mal aufgefallen, dass die Rhein-Main-Ecke (von einigen Ausnahmen abgesehen) durchwegs für rücksichtsvolles Tanzen und schönen Tanzfluss steht. Zufall?

Massiver Männermangel. Die meisten Frauen sind allerdings in der doofen Sitzordnung etwas ungünstig hinter den Tischen verbarikadiert. Die paar wenigen Barhocker in der Nähe des Einganges sind daher nach jeder Cortina auch meistens rasch wieder besetzt. Schöne Tänze. Ach ja, und aufmerksame Männer gibt es hier auch. "Beeindruckende Schuhe", höre ich beim Händewaschen plötzlich von hinten. Sag ich doch.

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Kommentar von Peter Fangmeier

hab ich dir doch in basel gesagt das die "holzschuhe" scharf sind...

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Nonfresedos in Aarau

Freitag, 27. April 2012

Aarau, Florastrasse. Neue Baracke (zumindest für mich), wobei das Ding wohl Ende Jahr abgerissen wird und der Tangoverein wieder auf der Strasse steht. Wenig Leute, daher ein wenig triste Atmosphäre. Cabeceos sind hier nicht so richtig üblich, dennoch ergattere ich mir ein paar schöne Tänze.

DJ Andrea legt ziemlich crossover auf, was an sich nicht schlimm wäre. Aber Buscandote von Fresedo ist doch ein Hammertitel, muss man da wirklich die schlaffe Version von Klaus Müller (oder so ähnlich) spielen?

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Kommentar von Joachim

Buscandote von Fresedo ist ein Hammertitel - aber auch nur wegen dem Sänger Ricardo Ruiz (1914-1976). Den hatte Klaus Johns also nicht mehr zur Verfügung, als er den Hammertitel ab 1999 mit seinem aus Grazer Studenten bestehenden "Tanguango"-Orchester aufführte. 5 Jahre, bevor besagte Fresedo CD in den Handel kam. Die hat Klaus Johns nicht mehr erlebt, er starb 2004 an einer Gehirnblutung und ich mochte ihn sehr.

Dass die DJane diese Version vorzog, spricht für sie, finde ich. Obwohl er den Tänzern mehr abverlangt, aber auch 9 bpm langsamer müssen nicht schlaff getanzt werden. So ist das halt oft, die zuerst gehörte und dann in Erinnerung gebliebene Version macht es anderen Versionen schwer, dagegen anzukommen.

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Kommentar von annarosa

Ist die Version von Klaus Johns irgendwo im Internet zugänglich?

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Abschuss von Innen

Donnerstag, 26. April 2012

Basel, Poema. Heute mit DJ Patricio. Nein, nicht verwandt. Ich würde auch nie Color Tango direkt nach Tubatango spielen. Später kam erst recht hochdramatisches Zeugs, und ein scheuer Blick auf den Laptop zeigte lediglich, dass ich von diesen Orchestern noch nie etwas gehört habe.

Doch dafür gab es ein sehenswertes Schauspiel: Wieder einmal tanzte ein Standard- und Lateinpaar mit diagonaler Taktik die Ecken aus (allerdings derart vorhersehbar, dass sie eigentlich kaum störten) und rammte einmal mit voller Wucht einen Oberrempler beim Drehen. Szenenapplaus gab es dennoch keinen, ich war ja grad am Tanzen. Sonst wäre ich vielleicht fragen gegangen, ob sie ein Europäisches Unfallprotokoll ausfüllen möchten...

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Kommentar von annarosa

War es wirklich ein "sehenswertes Schauspiel"? Das meinst du wohl sehr ironisch. Ich hab die beiden Standardtänzer zwar auch bemerkt, aber sehenswert war ihr Tanz definitiv nicht.

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Kommentar von Adivinador

Europäisches Unfallprotokoll! Cool! Gehört ab sofort, wie der rote Teppich für den Guru, in jedes Tanguera-Handtäschchen! Kreide zum Anzeichnen und zusammenfaltbares Pannendreieck nicht vergessen!

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Antwort von Patrick

Das mit dem Unfallprotokoll ist in der Praxis wohl nicht so einfach. Erste Frage: "In welcher Spur haben sie getanzt, in der Inneren oder der Äusseren?". Antwort: "Spuren? Was denn für Spuren?". Zweite Frage: "Hat ihre Partnerin einen Voleo/Gancho getanzt, und war dieser geführt?". Antwort: "Nein." "Klar hast Du den geführt!" "Niemals!" "Doch!"

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